Schlosspark

Anfang des 20. Jahrhunderts wird der Schlosspark Reichstädt wie folgt beschrieben:

"Von den kleineren Anlagen aus dieser Zeit [Gartenkunst der Rokokozeit], welche freilich die charakteristische Ausbildung der Zierstücke nicht mehr zeigen, sei kurz erwähnt der Garten zu Reichstädt bei Dippoldiswalde, dessen Hauptwirkung jetzt auf der Ausbildung der Mittelperspektive beuht. An das dem Schloss vorgelegte Parterre, welches in der Verwendung der Rasenböschung, der kleinen Wasserkunst, sowie den seitlich begleitenden Heckenwänden das Wesen der Zeit zum Ausdruck bringen, schließt eine lange, den Garten durchschneidende Allee an. Ein Pavillon mit Schießstand und die Schäferei am äußeren Ende des Gartens stimmen zum Bilde dieser Periode.

Typisch für diese Anlagen der späten Rokokozeit ist weiter die reichere Ausbildung der Gärtnerei-Gebäude, die meist zur Seite des Schlosses liegen. An das Orangeriehaus schließen oft Pavillons für die Gärtnerwohnung usw. an. In den schlichten Formen der Zeit, mit hohem ziegelgedecktem Mansarddach, wirken diese Bauten meist höchst malerisch. Sie bilden den Abschluß des der Ziergärtnerei eingeräumten Parterres. Dieses ist in regelmäßige Felder aufgeteilt, an den Kreuzpunkten der Wege sind Wasserbecken, wohl auch Statuen aufgestellt. Man kommt in dieser Aufteilung und Gestaltung gewissermaßen auf die Gartenanlagen der frühen Barockzeit zurück.

Als charakteristische Beispiele dafür mögen hier neben dem Garten zu Reichstädt die Gärten zu Benndorf, Wachau bei Leipzig, Stösitz, Lung[k]witz und Großröhrsdorf genannt sein."

(Quelle: Hugo Koch: Sächsische Gartenkunst, 1910, [Nachdruck 2000.], S. 289-290.)
 
 
Heute stellt sich der Schlosspark als Mischung der ursprünglichen barocken Ausgestaltung und einem englischen Landschaftspark dar. Er enthält wertvolle Gehölze, wie zum Beispiel einen in Deutschland sehr seltenen Tulpenbaum (Liriodendron tulipifera).

Blick von der Freitreppe in den Park


Rasenparterre mit Tulpenbaum (großer Baum rechts der Bildmitte)



Schlossgärtnerei